News aus Luft- und Raumfahrt  Januar 2004
  „We are profitable“
  AvCraft startet Serienfertigung der Dornier 328Jet

Zwei Jahre nach der Insolvenz von Fairchild-Dornier werden in Oberpfaffenhoffen wieder Flugzeuge in Serie gebaut. So lautete die wichtigste Nachricht von Chairman Ben Barthel auf der AvCraft Pressekonferenz am 21. Januar. Mindestens 18 Dornier 328Jets sollen jährlich hergestellt werden.

Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Produktion waren Investitionen, die laut Barthel mehr als 100 Millionen US-Dollar betragen, sowie der Verkauf von 18 sogenannten White-Tails aus der Insolvenzmasse von Fairchild-Dornier. Insgesamt seien bereits im vergangenen Jahr 28 Maschinen verkauft und acht ausgeliefert worden. Der Auftragsbestand beläuft sich derzeit auf ca. 50 feste Orders und Optionen. Barthel: „Die Nachfrage ist größer als ich vorhergesehen habe.“

Traditionsname bleibt erhalten

Äußerst zufrieden zeigte sich das Unternehmen auch über die Tatsache, dass eine Einigung über die Namensrechte erzielt werden konnte. Demnach darf AvCraft die traditionsreiche Marke Dornier zwar nicht als Teil des Firmennamens nutzen, kann den Zweistrahler selbst aber unter der Typenbezeichnung Dornier 328Jet vermarkten. Der Namensbestandteil Fairchild wird damit in Zukunft entfallen.

Barthel verglich die Bedeutung Dorniers mit der Marke Porsche und bezeichnete die 328 als „großartiges kleines Flugzeug“, das in der Vergangenheit aber unter mangelndem Support gelitten habe. In diesem Zusammenhang nannte er eine Liste von ungefähr 100 Problemen, die in Gesprächen mit Kunden identifiziert worden sind. 37 davon sollen für 90 Prozent der aufgetretenen Störungen verantwortlich sein. AvCraft verspricht, diese Mängel noch vor Auslieferung der ersten neuen 328 Jet im vierten Quartal dieses Jahres zu beheben und will damit auch das Vertrauen der Kunden in die Zuverlässigkeit des Musters verbessern.

Konservative Planungen

Mindestens genauso wichtig ist für AvCraft das Vertrauen der Zulieferer. Erste Vereinbarungen konnten im Bereich Avionik sowie mit dem Triebwerkshersteller Pratt&Whitney getroffen werden. Gespräche mit Aermacchi (Rumpf) und drei europäischen Zulieferern für die Flügel („Anbieter mit hoher Reputation“) werden derzeit geführt.

Momentan befinden sich fünf Flugzeuge in unterschiedlichen Stadien der Endfertigung. Flügel für fünf weitere Jets sind vorhanden. Danach müssen entweder die in Amerika vorhandenen Fertigungseinrichtungen für die Tragflächen gekauft worden sein oder neue gebaut werden. AvCraft favorisiert die zweite Option und sieht sich damit voll im Zeitplan. Vom Auftrag bis zur Lieferung des ersten Wing sollen nur neun Monate vergehen.

Für die Folgezeit kalkuliert Avcraft mit einer Produktionsrate von 18 Stück pro Jahr. Allerdings gelte für den Flugzeughersteller schon heute: „We are profitable“. Die Gesamtkapazität wird sogar auf 54 Flugzeuge beziffert. Noch in diesem Jahr soll die Belegschaft von 250 auf 320 Mitarbeiter aufgestockt werden. Für 2005 rechnet man mit 100 weiteren neuen Arbeitsplätzen im Unternehmen.

Renaissance der Dornier 428Jet?

Langfristig sollen diese Mitarbeiter nicht nur Regional Jets zu einem Listenpreis von 11,5 Millionen US-Dollar fertigen, sondern in verstärktem Umfang auch unterschiedliche Business-Versionen der Envoy3-Reihe. Generell sieht AvCraft gerade im Non-Airline Sektor ein hohes Potential. Neue Märkte könnten laut Barthel auch mit einer Cargo-Variante oder militärischen Missionsflugzeugen erschlossen werden. Konkrete Gespräche über letztere werden derzeit geführt.

Überraschenderweise erwähnte das Unternehmens auch zwei ältere Projekte. In der jüngsten Pressemitteilung meldet AvCraft Verhandlungen über insgesamt 13 Maschinen des Typs 328Prop. Deutschland-Geschäftsführer Wolfgang Walter erklärte dazu, man kooperiere hier unter anderem mit Insolvenzverwalter Eberhardt Braun, der noch über einige Exemplare verfügt. Auch wenn momentan keine konkreten Absichten bestünden, neue Turboprops zu bauen, wäre die Produktion technisch natürlich möglich, das Interesse des Marktes unerwartet hoch. Wenige Informationen waren über die verlängerte 40-sitzige 428Jet zu erhalten. Auf entsprechende Fragen äußerte sich Ben Barthel zurückhaltend: „I like the 428.“ Das Muster war bereits in den neunziger Jahren entwickelt und von mehreren Airlines geordert worden, ehe es zu Gunsten des Programms 728/729 eingestellt wurde.

Auch hier werden die Arbeiten in geringem Umfang fortgeführt. Barthel bestätigte, dass AvCraft D´Long bei der Fertigstellung des ersten Prototypen mit „Engineering-Services“ unterstützt. Diese Dienstleistungen würden regulär beauftragt und seien keine Kooperation im Sinne einer Beteiligung AvCrafts an dem Programm.

 

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