| Zwei Jahre
nach der Insolvenz von Fairchild-Dornier werden in Oberpfaffenhoffen
wieder Flugzeuge in Serie gebaut. So lautete die wichtigste Nachricht
von Chairman Ben Barthel auf der AvCraft Pressekonferenz am 21.
Januar. Mindestens 18 Dornier 328Jets sollen jährlich hergestellt
werden.
Voraussetzung
für die Wiederaufnahme der Produktion waren Investitionen,
die laut Barthel mehr als 100 Millionen US-Dollar betragen, sowie
der Verkauf von 18 sogenannten White-Tails aus der Insolvenzmasse
von Fairchild-Dornier. Insgesamt seien bereits im vergangenen Jahr
28 Maschinen verkauft und acht ausgeliefert worden. Der Auftragsbestand
beläuft sich derzeit auf ca. 50 feste Orders und Optionen.
Barthel: „Die Nachfrage ist größer als ich vorhergesehen
habe.“
Traditionsname
bleibt erhalten
Äußerst
zufrieden zeigte sich das Unternehmen auch über die Tatsache,
dass eine Einigung über die Namensrechte erzielt werden konnte.
Demnach darf AvCraft die traditionsreiche Marke Dornier zwar nicht
als Teil des Firmennamens nutzen, kann den Zweistrahler selbst aber
unter der Typenbezeichnung Dornier 328Jet vermarkten. Der Namensbestandteil
Fairchild wird damit in Zukunft entfallen. Barthel
verglich die Bedeutung Dorniers mit der Marke Porsche und bezeichnete
die 328 als „großartiges kleines Flugzeug“, das
in der Vergangenheit aber unter mangelndem Support gelitten habe.
In diesem Zusammenhang nannte er eine Liste von ungefähr 100
Problemen, die in Gesprächen mit Kunden identifiziert worden
sind. 37 davon sollen für 90 Prozent der aufgetretenen Störungen
verantwortlich sein. AvCraft verspricht, diese Mängel noch
vor Auslieferung der ersten neuen 328 Jet im vierten Quartal dieses
Jahres zu beheben und will damit auch das Vertrauen der Kunden in
die Zuverlässigkeit des Musters verbessern.
Konservative
Planungen
Mindestens genauso
wichtig ist für AvCraft das Vertrauen der Zulieferer. Erste Vereinbarungen
konnten im Bereich Avionik sowie mit dem Triebwerkshersteller Pratt&Whitney
getroffen werden. Gespräche mit Aermacchi (Rumpf) und drei europäischen
Zulieferern für die Flügel („Anbieter mit hoher Reputation“)
werden derzeit geführt.
Momentan befinden sich fünf Flugzeuge in unterschiedlichen
Stadien der Endfertigung. Flügel für fünf weitere
Jets sind vorhanden. Danach müssen entweder die in Amerika
vorhandenen Fertigungseinrichtungen für die Tragflächen
gekauft worden sein oder neue gebaut werden. AvCraft favorisiert
die zweite Option und sieht sich damit voll im Zeitplan. Vom Auftrag
bis zur Lieferung des ersten Wing sollen nur neun Monate vergehen.
Für
die Folgezeit kalkuliert Avcraft mit einer Produktionsrate von 18
Stück pro Jahr. Allerdings gelte für den Flugzeughersteller
schon heute: „We are profitable“. Die Gesamtkapazität
wird sogar auf 54 Flugzeuge beziffert. Noch in diesem Jahr soll
die Belegschaft von 250 auf 320 Mitarbeiter aufgestockt werden.
Für 2005 rechnet man mit 100 weiteren neuen Arbeitsplätzen
im Unternehmen.
Renaissance
der Dornier 428Jet?
Langfristig sollen
diese Mitarbeiter nicht nur Regional Jets zu einem Listenpreis von
11,5 Millionen US-Dollar fertigen, sondern in verstärktem Umfang
auch unterschiedliche Business-Versionen der Envoy3-Reihe. Generell
sieht AvCraft gerade im Non-Airline Sektor ein hohes Potential. Neue
Märkte könnten laut Barthel auch mit einer Cargo-Variante
oder militärischen Missionsflugzeugen erschlossen werden. Konkrete
Gespräche über letztere werden derzeit geführt.
Überraschenderweise erwähnte das Unternehmens
auch zwei ältere Projekte. In der jüngsten Pressemitteilung
meldet AvCraft Verhandlungen über insgesamt 13 Maschinen des
Typs 328Prop. Deutschland-Geschäftsführer Wolfgang Walter
erklärte dazu, man kooperiere hier unter anderem mit Insolvenzverwalter
Eberhardt Braun, der noch über einige Exemplare verfügt.
Auch wenn momentan keine konkreten Absichten bestünden, neue
Turboprops zu bauen, wäre die Produktion technisch natürlich
möglich, das Interesse des Marktes unerwartet hoch. Wenige
Informationen waren über die verlängerte 40-sitzige 428Jet
zu erhalten. Auf entsprechende Fragen äußerte sich Ben
Barthel zurückhaltend: „I like the 428.“ Das Muster
war bereits in den neunziger Jahren entwickelt und von mehreren
Airlines geordert worden, ehe es zu Gunsten des Programms 728/729
eingestellt wurde.
Auch
hier werden die Arbeiten in geringem Umfang fortgeführt. Barthel
bestätigte, dass AvCraft D´Long bei der Fertigstellung
des ersten Prototypen mit „Engineering-Services“ unterstützt.
Diese Dienstleistungen würden regulär beauftragt und seien
keine Kooperation im Sinne einer Beteiligung AvCrafts an dem Programm.
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